Johann Dürr

Tischlergehilfe. Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime. Hingerichtet.

* 1914    † 1943

 

Lebenslauf

Johann Dürr wurde am 19.1.1914 in Zurndorf geboren. Er arbeitete als Tischlergehilfe. Er war der Sohn des ehemaligen sozialdemokratischen Bürgermeisters von Zurndorf. Ab 1932 war er Mitglied der Gewerkschaft der Holzarbeiter und bei den “Roten Falken”.

Verbindungsmann zu einer kommunistischen Organisation

1939 trat Johann Dürr der KPÖ bei. Er stellte die Verbindung zu einer in Zurndorf und Nickelsdorf im Aufbau begriffenen kommunistischen Organisation her und seine Wohnung für eine Funktionärsbesprechung zur Verfügung. Ab Dezember  1941 war er bei der deutschen Wehrmacht.

Widerstand, Verhaftung, Todesurteil

Johann Dürr wurde am 27. 9. 1942 verhaftet, am 31. 5. 1943 folgte seine Verurteilung zum Tode. Am 8.10.1943 wurde er im Landesgericht I in Wien hingerichtet.

Aus dem Urteil

„Der Angeklagte Dürr fand auch noch ein weiteres von sowjetischen Fliegern abgeworfenes Flugblatt in deutscher Sprache mit der Überschrift ’Ausländer nehmen deinen Platz ein‘ und lieferte es nicht ab, sondern behielt es bei sich. Dieses Flugblatt enthielt einen in deutscher und russischer Sprache abgefassten ’Passierschein‘ mit der Versicherung, dass bei Vorweisung dieses Scheines dem Kriegsgefangenen Leben, gute Behandlung und die Heimkehr nach dem Kriege garantiert werde. Auch dieses Hetzblatt wurde beim Angeklagten Dürr gelegentlich seiner Festnahme sichergestellt. (…) Unter Missachtung seines Fahneneides hat der Angeklagte mit den Todfeinden des Nationalsozialismus gemeinsame Sache gemacht und sich damit als Verräter an seinem eigenen Volke erwiesen. Dafür gibt es nur eine Strafe, die Todesstrafe.“

Gedenkort - Landesgericht für Strafsachen Wien

Im ehemaligen Hinrichtungsraum des Landesgericht für Strafsachen Wien findet sich sein Name auf einer der Gedenktafeln.

Quellen und Bildnachweise

  • Porträtbild und Texte aus Willi Weinert, "Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer". 4. Auflage Wiener Stern Verlag, 2017
  • Bühnenbild Guillotine: Leihgeber Kurt Brazda
  • Alle anderen Bilder: Privatbesitz / Verein Zur Erinnerung

Weiterführende Informationen

  • DÖW Katalog zur permanenten Ausstellung. Hg. v. Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands, Wien 2006
  • Wolfgang Neugebauer, Der österreichische Widerstand 1938-1945, Wien 2008
  • Die Geschichte des Grauen Hauses und die österreichische Gerichtsbarkeit. Wien 2012
  • DÖW (Hg.) Widerstand und Verfolgungen in den österreichischen Bundesländern (Wien, Burgenland, Oberösterreich, Tirol, Niederösterreich, Salzburg), Wien, 1975-1991
  • Heinz Arnberger, Claudia Kuretsidis-Haider (Hg.) Gedenken und Mahnen in Niederösterreich. Erinnerungszeichen zu Widerstand und Verfolgung, Exil, Befreiung, Wien 2011
  • Brigitte Bailer, Wolfgang Maderthaner, Kurt Scholz (Hg.), „Die Vollstreckung verlief ohne Besonderheiten“ Wien
  • Herbert Steiner, Gestorben für Österreich. Widerstand gegen Hitler. Eine Dokumentation. Wien 1995
  • Herber Steiner, Zum Tode verurteilt: Österreicher gegen Hitler. Eine Dokumentation, Wien 1964
  • Willi Weinert, „Mich könnt ihr löschen, aber nicht das Feuer“. Biografien der im Wiener Landesgericht hingerichteten WiderstandskämpferInnen gegen das NS-Regime. Ein Führer durch die Gruppe 40 am Wiener Zentralfriedhof. 4. Auflage Wiener Stern Verlag. 2017
  • Lisl Rizi, Willi Weinert, „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“. Korrespondenzen österreichischer WiderstandskämpferInnen aus der Haft. 4 Bände. Wiener Stern Verlag 2016

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